Burnout – Wenn Arbeit krank macht…
Etwa 37 Prozent der Menschen berichten von Burnout ähnlichen Symptomen wie emotionale Erschöpfung, Stress, Überforderung oder eine reduzierte Leistungszufriedenheit in der Arbeit ohne dafür je eine Diagnose erhalten zu haben.
![]()
Der Begriff Burnout geht auf Bradley zurück, der in der 60erJahren damit die klinische Symptomatik von Bewährungshelfern beschrieb. Seitdem hat sich in der Burnout Forschung viel getan, auch weil Burnout die Gesundheitssysteme belaste und vermehrt zu Krankenstand führe.
Zu einem deutschen Burnout Test geht es hier, er ersetzt jedoch keinen Besuch bei einer/m Ärzt:in oder Psychotherapeut:in:
https://www.psychomeda.de/online-tests/burnout-test.html
Was ist die Diagnose und Symptomatik von Burnout ?
Im ICD-11 (seit 2022) der WHO wird Burnout unter dem Code QD85 spezifischer als "Syndrom aufgrund von nicht erfolgreich verarbeitetem Stress am Arbeitsplatz" definiert. Noch im alten ICD-10-System - das oft noch in der Praxis genutzt wird - wurde die Diagnose Z73 als "Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung" verstanden, wobei Z73.0 für Burnout stand.
Die Symptomatik lässt sich in drei Bereiche zusammenfassen:
- Eine emotionale Erschöpfung, die in Zusammenhang mit den Anforderungen der Arbeit oder des Alltags steht. Menschen fühlen sich die meiste Zeit sehr erschöpft, kraftlos, niedergeschlagen, antriebslos und sind leicht reizbar.
- Es tritt eine Depersonalisierung ein, was so viel bedeutet wie eine Distanz zu seinen Arbeitskolleg:innen, Kund:innen oder der Familie. Menschen sind zunehmend gleichgültiger und teilweise zynisch diesen gegenüber und die Arbeit oder der Alltag wird zur unpersönlichen Routine.
- Eine reduzierte Leistungszufriedenheit ist der dritte Bereich der Burnout beschreibt. Menschen erleben Misserfolg, trotz der Überbeanspruchung erreichen sie nicht viel, entfernen sich von ihrem Gegenüber und werden ineffizient.
Doch was sind die Ursachen von Burnout ?
In der Occupational Health Psychology werden vor allem drei Modelle diskutiert, die das „Ausgebranntsein“ erklären können: Das erste Modell ist das von Hacker bereits 1973 entwickelte Grundmodell einer ganzheitlichen (vollständigen) Tätigkeit. Demnach geht man davon aus, dass eine gesunde Arbeitsumgebung durch vollständige Tätigkeiten gekennzeichnet ist, die Vorbereiten, Ausführen, Kontrollieren und soziales Koordinieren ermöglichen (Richter, 2025).
Als zweites Modell wird in der Occupational Health Psychology das Job Characteristic Model von Hackman und Oldham von 1980 diskutiert (Richter, 2025: 64). Demnach ist das Motivationspotential von Arbeitstätigkeiten von diesen fünf Faktoren abhängig:
- Die Ganzheitlichkeit / Vollständigkeit der Tätigkeit
- Eine Vielfalt an Anforderungen
- Eine soziale Bedeutung der Tätigkeit für andere
- Ein hoher Tätigkeitsspielraum
- Angemessene Formen des Feedbacks (ebd.)
Im Grunde genommen ist hier ein Ideal propagiert, das in der Praxis vielleicht schwer umsetzbar ist, aber gerade an diesen Faktoren scheiden sich ungesunde in gesunde Tätigkeiten und somit wird die Gesundheit der Beschäftigten verhandelt.
Das dritte Modell, das oft herangezogen wird, ist das Efford Reward Imbalance Model von Siegrist, das in den 90er Jahren entwickelt wurde. Siegrist geht davon aus, dass es im Laufe des Erwerbslebens zu Gratifikationskrisen kommen kann, wenn es eine erlebte Ungerechtigkeit und Imbalance zwischen Geben und Nehmen gibt. Die Arbeitnehmer:innen erwarten für ihre Leistung: Gehalt, Sinnstiftung, Wertschätzung, Sicherheit und Aufstiegsmöglichkeiten. Wenn hier keine Balance herrscht, können langfristig Gratifikationskrisen krank machen, weil sich der/die Arbeitnehmer:in ungerecht behandelt sieht.
Verschleppte Depression oder Burnout ?
Die Occupational Health Psychology tut sich schwer damit psychoanalytisches Wissen einzubeziehen, dabei kann gerade die Psychoanalyse den Blickwinkel erweitern in Bezug auf frühe erlebte Konflikte oder wiederholte Muster.
Oft wird die Erschöpfung im Burnout auch als Traurigkeit erlebt: eine Traurigkeit die meist auf frühe Versagungen hinweist. Im Sinne der Gratifikationskrisen es ist sehr gut möglich, dass bereits früher in der Biografie eine Imbalance zwischen Geben und Nehmen auftrat. Beispielsweise, dass sich Menschen nicht ausreichend gehalten und gewertschätzt von ihren Eltern empfunden haben, obwohl sie immer ihre Liebe für ihre Eltern gegeben haben.
So können in der Psychoanalyse frühe Muster erkundet werden, die sich vielleicht in der Arbeitswelt oder im Alltag wiederholen.
Literatur:
Peter Richter (2025). Zukunftsfähig arbeiten: Wege zu einer umweltbewussten und menschengerechten Arbeitswelt. oekom verlag.
Foto: Unsplash 2026 Arlington Research